Grantlbert

Zeit zum Meckern – Granteln über was mich bewegt

Kategorie: Mensch und Gesellschaft

Wenn die Monster aus deinen Albträumen Musik schreiben würden – Warteschleifensongs

Die Vorweihnachtszeit. Das ist die Zeit, in der man zuhause vor dem Kaminfeuer Besinnlichkeit heuchelt. Doch wenn es raus in die kalte, stressige Einkaufshölle geht, blüht der Teufel in uns allen auf und wir lassen mit grün leuchtenden Augen des Schnäppchenneids unsere »Der Kunde ist König«-Attitüde sowohl an anderen Käufern als auch an den oftmals unschuldigen Verkäufern aus.

Entspannter geht es da beim Onlineshopping zu. Ja, die Versandzeiten sind etwas länger in der Vorweihnachtszeit, aber der vorausplanende Onlineshopper weiß das, oder zahlt eben für Expressversand extra. Herrlich – zumindest so lange alles unbeschädigt und in der von uns gewählten Geschwindigkeit ankommt. Wehe aber, es wird der falsche, ein beschädigter oder gar kein Artikel geliefert! Dann findet sich der vorausplanende Onlineshopper in der scheinbar ausweglosen Grabkammer der Warteschleifenmusik wieder. (Versteht mich nicht falsch, es gibt große Onlineversandhäuser, die das mit dem Kundenservice gut hinbekommen, aber es gibt auch den Rest)

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1.Die Fahrstuhlmusik

Ähnlich wie die Musik in einem Fahrstuhl, soll heiteres Gebimmel und seichter Smooth Jazz die Stimmung während der Wartezeit hochhalten. Fakt ist: In einem Fahrstuhl stehe ich selten länger als 2 Minuten. In einer Warteschleife kann man schon mal gefühlte Jahre seines Lebens verlieren. Und wenn das Stück nach 30 Sekunden auch noch einen unsauberen Schnitt macht und wieder von vorne anfängt, statt ruhig durchzulaufen, wächst sogar in geduldigen Kunden das starke Bedürfnis den Telefonhörer demjenigen mit aller Kraft ins Ohr zu rammen, der dann endlich abnimmt. Auch wenn der wahrscheinlich am wenigsten dafürkann.

2. Naturklänge

Das beruhigende Rauschen des Meeres, eine Möwe zieht vorbei. Oder doch lieber das Rascheln der Blätter im Wind. Zwitschernde Vöglein und plötzlich – Choo Choo – ein Zug fährt vorbei. Dann ertönt da eine Fanfare und eine Stimme fordert mich zum Warten auf? Was? Wer sich diese Umgebungsklänge als Warteschleifenmusik ausgedacht hat, gehört vor den Zug, der durch das Thema fährt, geworfen! Was in Traumreisen ganz gut funktioniert, hat in einer Warteschleife nichts verloren. Wir träumen uns nicht an die Südsee, wir wollen unser Geld zurück. Oder unsere Ware. Und wenn ihr den Eindruck vermittelt, lieber Urlaub zu machen als euch um unsere Belange zu kümmern, … dann … dann … sollten wir uns abreagieren, denn die Person die dann endlich den Hörer abnimmt, kann wahrscheinlich am wenigsten dafür.

3. Popmusik

Jaaa, Popmusik ist nicht jedermanns Geschmack, klar. Aber sein wir mal ehrlich, wenn es nicht grade Justin Bieber ist, hat es ja einen Grund, warum das ganze so erfolgreich ist. Mainstreamchartmusik sollte bei der Großzahl der Wartenden zumindest nicht umgehend Brechreiz auslösen. WENN man denn wenigstens erkennen könnte, was für einen Song sie spielen. Es kommt nämlich leider viel zu oft vor, dass die Musik über eine Kartoffel direkt in dein Telefon gesendet wird. Echo ist dabei noch erträglich. Rauschen, Handyverbindungsgeräusche (obwohl man selbst am Festnetz ist), blecherne Stimmen und Aufnahmen, die klingen wie von einem Sony Erricson Walkman Handy von 2007, auf einem Festival gefilmt. Das weckt das Bedürfnis den sterbenden Schrei einer überfahrenden Katze, den man die letzten Minuten kratzend in seinen Ohren ertragen hat, in trommelfellzerreißender Lautstärke dem nächsten, der abnimmt in den Gehörgang zu schmettern. Auch wenn der wahrscheinlich am wenigsten dafürkann.

4. Ihr Anruf ist uns wichtig!

All die oben genannten Typen werden oftmals gepaart mit Ansagen wie »Ihr Anruf wird gehalten«, »Bitte legen Sie nicht auf, es dauert nur noch wenige Minuten«, »Sie sind uns als Kunde wichtig, bitte bleiben Sie dran« und »[Laden XY] bedankt sich für Ihre Geduld«. Und dann gibt es die Warteschleifen, die keine Musik spielen, sondern nur eine der oben genannten Aussagen. Gepaart mit gähnender Leere, oder was noch schlimmer ist, ohne Pause, einer dieser Vertröstsätze nach dem anderen. Wenn dann endlich jemand rangeht, zeigen wir ihm wie geduldig wir doch waren indem wir … indem wir … indem wir runterkommen und erstmal freundlich sind, denn der, der den Hörer abnimmt, kann wahrscheinlich am wenigsten dafür.

5. Stille

Meditative Stille ist in vielen Religionen eine jahrhunderteralte Tradition. Sie soll entspannend wirken, dabei helfen, die innere Mitte zu finden, man kann sich auf das Selbst, oder – im Falle einer Warteschleife – auf sein Anliegen konzentrieren. Denkste! Ein »Es dauert einen kleinen Moment bis wir Ihren Anruf entgegennehmen können« gefolgt von gähnender Leere löst im Kunden nur eins aus: Panik! Je länger nichts zu hören ist, desto leichter kommen Gedanken auf wie: Was passiert hier? Bin ich aus der Leitung geflogen? Sitzt am anderen Ende der Leitung überhaupt jemand? Haben sie einfach wieder aufgelegt? Soll ich warten oder auflegen und nochmal anrufen? Ist das ein Fehler, sollte hier nicht etwas zu hören sein? Und das konzentrierte Lauschen, ob Leitungsgeräusche signalisieren, dass wir doch noch in der Warteschleife hängen. Schlimm, aber statt den, der dann den Hörer abnimmt mit Schweigen zu bestrafen, sollte man runterkommen und sein Problem schildern. Andernfalls legt er vielleicht einfach auf, und dafür kann  er aber nun wirklich nichts.

 

Bedenkt, egal wie schrecklich eine Warteschleife ist, sie will euch in der Regel nicht die bereits angestaute Vorweihnachtsaggression kanalisieren und auf den nächst besten Calltaker abfeuern lassen, sondern ist oft ein ernstgemeinter Versuch des Geschäfts, euch zu vertrösten.

Wenn dann besagter Calltaker nicht willens, nicht fähig oder nicht in der Stimmung, ist uns bei unseren Problemen zu helfen, bitte, fühlt euch frei und entladet all euren Hass auf diesen kleinen arroganten Mistkerl, der am anderen Ende der Leitung sitzt. Schließlich ist es sein verfi**ter, Job den ganzen d**cks Tag unzufriedene A*****ochkunden zu bedienen, und ihnen jeden sch**ß Wunsch von den hässlichen Lippen abzulesen, die er durch das besch****ne Telefon verda**t noch mal nicht sehen kann.

Viel Spaß noch beim Geschenke kaufen

Mein Morgen im Vorhof der Hölle

Kalte Automaten zur Begrüßung der verlorenen Seelen, die auf ihre Abfertigung warten. Eiserne Bänke, deren bittere Kälte die Lebenskraft der Wartenden auszusaugen scheint. Stille Verzweiflung überlagert die Luft, dick wie Smog über einer Großstadt. Ein lachendes Kind in leuchtendem Grün sticht aus der tristen Menge hervor. Doch das schmutzige Weiß der Wände verschlingt, zusammen mit dem fahlen Grau des Bodens, den farbigen Lichtblick am Rande des endlos scheinenden Gewirrs aus Gängen, Zahlen, Buchstaben und Türen. Die Schwermut ergreift hier selbst das fröhlichste Gemüt nach wenigen Minuten und versucht mit ihrer allumfassenden Gegenwart das letzte Bisschen Lebenskraft zu erdrücken. Wieder Stille. Die plötzlich durchbrochen wird von einer in scheinbar fremden Zungen lautstark schimpfenden traurigen Gestalt, die wohl Geister anzufauchen versucht. Denn von den anwesenden Personen rührt ihr Ausbruch der Verzweiflung niemanden. Der Rest der Halle weilt weiter in düsterer Stille.

Ein weiterer Aufschrei der Hoffnungslosigkeit: Die eiserne Maschine die den Eingang der Neuankömmlinge reguliert, hat ihr nächstes Opfer gefunden. Blankes Entsetzen ergreift es. Scheinbar war es nicht stark genug und wurde von der drückenden Last der Tristesse in die Flucht geschlagen. Beharrlich, wie das Ticken einer Uhr, schwelt unter der Oberfläche jedes einzelnen der Drang Reißaus zu nehmen. Doch da, das Licht blinkt auf. Das Licht das die Wartenden von ihrer Qual erlösen soll. Das Licht, das den Nächsten – einen nach dem anderen – mit trügerischer Gewissheit aus dem scheinbaren Vorhof der Hölle zu erlösen verheißt. Das Licht, das immer nur einer Gestalt, ganz langsam den Durchgang durch das so anmutende Tor der Errettung gewährt. Das Licht, das einen aus der erstickenden Leere befreien soll. Mit einem Schimmer der Hoffnung im Auge tritt ein Weiterer durch ebendieses Tor. Dennoch ist nicht sicher, ob auf der anderen Seite die Freiheit, oder doch ein noch schlimmeres Monster darauf wartet, die kaum noch zu ertragende Pein zu verlängern.

– Mein Morgen im Wartebereich des Kreisverwaltungsreferats.

5 Gründe warum es Spaß macht 5 Minuten zu Fuß von der Wiesn zu wohnen

Zur Wiesnzeit häufen sich die Berichte übers Komasaufen schon am Vormittag. Websites wie muenchenkotzt.de propagieren das vermeintlich wahre Gesicht des Oktoberfests und die selbst von Pro7 liebevoll genannte „Kotzwiese“ wird zum Mekka für Schnappschussjäger. Ja, wenn man das alles so sieht, stehen zur Wiesnzeit für uns Münchner wohl die schrecklichsten 16 Tage im Jahr an. Für viele trifft das auch sicher zu. Vor allem die Alternativen, die Jungen, die Trachten- und Traditionshasser die viel lieber in Berlin als im spießigen München wohnen würden, übergeben sich zwischen Ende September und Anfang Oktober verbal, lautstark in öffentlichen Netzwerken – statt wie alle andern auf der Grünfläche hinterm Festzelt.

Mich persönlich lässt das jedoch kalt. Ich bin der Meinung, dass diese Ansicht der Wiesn genauso einseitig ist, wie die heutzutage weniger verbreitete Fraktion die das Oktoberfest ausschließlich als fröhliche Familienpilgerstätte sieht. Weil die schönen Seiten der Wiesn aber immer mehr untergehen, fühle ich mich verpflichtet euch meine fünf Hauptgründe zu nennen, warum ich ein Wiesnfan bin und seit Jahren liebend gern in Fußmarsch-Weite des Oktoberfests wohne.

1. Zuckerwattegeruch am Morgen!

„Alles stinkt nach Kotze, überall bappt der Boden wegam Bier, Wuidbiesler verbreiten den Geruch von Urin in der ganzen Stadt!“ Zur Wiesnzeit riecht München für die meisten Einheimischen wohl nicht sonderlich gut. Aber ich glaube, sie haben den Blick – besser die Nase – für die Kleinigkeiten verloren. Wenn ich morgens meine Haustür verlasse, rieche ich als erstes Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, Magenbrot und allerhand Süßigkeiten deren Geruch nur zu dieser besonderen Zeit im Jahr in der Luft hängt. Es ist als würde man in einem duftenden rosa Wolkenbett zur U-Bahn schweben. Das verhasste „überall stinkt’s nach Kotze“-Argument zieht für mich, als jemand der an der Poccistraße wohnt, ohnehin nicht. Mit allerhand Clubs und Bars in direkter Nähe zu meiner Wohnung werde ich auch unterm Jahr oftmals von Erbrochenen auf dem morgendlichen Weg zum öffentlichen Verkehrsmittel begrüßt.

2. Dirndl und Lederhosen!

„Mini-Drindl, Schlampen-Dirndl, PVC-Kostüme als Lederhosen und viel zu dürre Wadln!“ Trachtenhasser und Traditionsverfechter haben gleichermaßen viel zu schimpfen zur Wiesnzeit. Die Seite die man bei all dem Grantln gern übersieht: Selten sieht man so viele fesche Madln die zeigen was sie haben. Und Fakt ist: Ein zünftiges Dirndl, egal ob lang oder einen Tick zu kurz kleidet gut, kaschiert die ein oder andere Problemzone und setzt einen klaren Fokus. Dass der Blick in ein schönes Dirndl-Dekolleté oder auf den knackigen Oasch in der Lederhosn noch nie Freude bereitet hat, kann mir kein Wiesnhasser erzählen.

3. Das Essen!

Ich LIEBE das Wiesnessen. Haxensemmel, Steckerlfisch, Maiskolben, Magenbrot, Dampfnudeln, Hendl, glasierte Früchte, Entenbraterei, Riesenbrezen, gebrannte Mandeln, Zuckerwatte, Bratwurstsemmeln… Das beste daran in der Nähe der Wiesn zu wohnen ist, dass ich einfach spontan hinüberflanieren kann, mir bei der Fischer-Vroni einen Steckerlfisch holen, gemütlich wieder nachhause spaziere. um ihn dann noch warm in meinen eigenen vier Wänden zu genießen. Man muss nicht jeden Gang aufs Oktoberfest als mehrstündiges bis ganztägiges, großes Besäufnis zelebrieren. Wieder predige ich: Genießt die kleinen Dinge!

4. Fahrgeschäfte!

Ich hab Spaß an Achterbahnen, High-Sky-Falls und anderen adrenalintreibenden Fahrgeschäften. Ich mag, dass ich zur Wiesnzeit nicht die 40 Minuten Autobahnfahrt bis in den nächsten Freizeitpark auf mich nehmen muss um das zu bekommen. Ich weiß aber auch, dass so eine Olympialoopingfahrt mit ihren 8 Euro bei weitem kein Schnäppchen ist. Daher rate ich: Beachtet die Traditionsgeschäfte. Der Flohzirkus ist wirklich keine große Sache, aber jeder der ein bisschen Kind im Herzen geblieben ist, will es doch einmal sehen. An der Hexen-Schaukel geht man immer vorbei, aber für seine 3 Euro Eintritt wird man auch nüchtern mit den simpelsten Mitteln 1000 mal besser unterhalten als wenn man Geld in viele der Großen und Neuen (wie dem Encounter oder der Odyssee) steckt. Denn dort wird man meist mit viel Pomp, Soundeffekten und Menschen in Kostümen schrecklich enttäuscht (glaubt mir, ich spreche aus eigener Erfahrung). Wem das Kettenkarussell zu langweilig ist, der kann’s auch einfach mal in 30 Metern Höhe versuchen. Auf die simplen Sachen kann man sich eben verlassen, die enttäuschen meist am wenigsten – selbst zu saftigen Wiesnpreisen.

5. Die Mittagswiesn!

Wenn man so nah an der Theresienwiese wohnt wie ich und außerdem gern lang schläft, ist es sehr angenehm, dass man zur Mittagswiesn nicht früh aufstehen muss. Vom Essen hab ich schon geschwärmt und auch wenn ich weder ein großer Biertrinker bin, noch mich zur Wiesn alkoholbedingt abschießen muss, ist die ein oder andere Radler-Maß ein Muss. Zelte sind mir meist zu Voll, zu Laut und zu anstrengend, da ich nicht bereits am frühen Mittag auf den Tischen tanzen und grölen muss. Aber eine zünftige Brotzeitplattn in den inzwischen meist beheizten Biergärten ist eine Wohltat für die Münchner-Seele. Also meine zumindest. Neben all den Betrunkenen Idioten macht man hier nämlich mit ein bisschen Glück die ein oder andere wirklich interessante Bekanntschaft und lernt mit ein bisschen mehr Glück sogar die „herzliche“ und „gastfreundliche“ Seite der Münchner kennen, die für viele da draußen wohl nur sagenumwobener Humbug ist.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich seit ich klein war von der Wiesn begeistert bin. Und auch seit ich nicht mehr auf Eltern angewiesen bin jede Gelegenheit die sich bietet für einen kurzen Abstecher nutze. Ich trinke auch unterm Jahr gerne, nutze die Wiesen aber nicht als Vorwand für ein Absturzbesäufnis. Ich schlendere gern Stunden die Wirts- und Schaustellerstraße auf und ab, habe aber noch nie einen Abstecher zur berüchtigten Wiese der Schandtaten gemacht. Ich Grüße die Bavaria gern von weitem, musste aber noch nie auf der Treppe davor ausnüchtern oder mich gar mit anderen Betrunkenen um einen der wenigen, nicht vollgereierten Plätze schlagen. Was ich damit sagen will: Wenn man die Wiesn als großes, widerwärtiges Massenbesäufnis ohne Sinn und Verstand sehen möchte, muss man sich große Mühe geben die schönen Seiten auszublenden. Mir persönlich macht es viel weniger Mühe, viele der hässlichen Seiten nicht zu zelebrieren.

In diesem Sinne: Auf eine friedliche Rest-Wiesn.

Grantln über Grantler

Ich komme aus München. Und da ich noch relativ jung bin, kenne ich auch viele junge Leute in München, die nicht aus München kommen. Und ob sie diese Stadt jetzt lieben, oder nur als Mittel zum Zweck für Karriere/Schule/Studium/was auch immer sehen, eines haben sie alle gemein, die von Außerhalb: Sie finden München und Münchner mürrisch und wenig gastfreundlich. Von der Mittagstischbedienung im Dirndl bis zur knapp bekleideten Barkeeperin im Club, alle seien engstirnig und wenig zuvorkommend. Es sei schwer Bekanntschaften zu schließen, alle sind immer irgendwie schlecht drauf und schwer zugänglich, alle Münchner sind wahnsinnig von IHREM München überzeugt und wollen gar nicht hören, dass es in deiner Heimatstadt viel schöner ist. Ja, so sehen sie uns, die von Außerhalb.

Und wisst ihr was, die haben Recht! Ein Stück weit zumindest. Es ist schön hier. Der Englische Garten bietet im Sommer allerhand Freizeitaktivitäten vom Rumhängen übers Surfen bis hin zum Sonnenbaden. An der Isar kann man grillen und Angler beobachten, schwimmen und wenn das Wetter es zulässt wieder sonnenbaden. Am Viktualienmarkt es ist gemütlich wenn man eine Halbe trinkt oder auch nur teures, qualitativ hochwertiges Grünzeug aus der Region kauft. Wir haben Weltweit das beste Bier, und auch wenn das Geschmackssache ist, untermauern Hofbräuhäuser auf der ganzen Welt diese Theorie. Man weiß was man kriegt und nicht nur an physischen Gütern, sondern auch an Leuten. Klischees kommen ja meist irgendwo her. Also warum sollen wir uns von Auswertigen anhören, dass es bei ihnen viel schöner ist. Es möchte doch wirklich niemand, dass man in seine Heimatstadt geht und sagt: „Also bei mir ist’s vieeel toller. Da ist es sauberer und die Leute sind viel sympathischer als hier“. Dann geh doch wieder dahin zurück du Berliner, Kölner, Münchner. Da werden alle die ihre Heimat mögen leicht zum Grantler. Lokalpatriotismus hin oder her, wenn man sich wo wohlfühlt, dann darf man auch mal grantln, wenn andere kommen und sich beschweren.

Aber es stimmt ja, auch wenn niemand sonst meckert, dann meckern wir Münchner gern. Auch wenn alles gut ist, muss man über irgendwas grantln. Bestes Beispiel hierfür ist die Hofbräu-Werbung die bei uns in den Kinos läuft. Wo ein klassischer Münchner durch München läuft und sich über alles beschwert was für München steht. Vor allem die schönen Dinge und am Ende steht der Satz „Minga, du machst mi fertig“. Als ich sie das erste Mal gesehen hab, dachte ich mir: Muss man jetzt wirklich aus diesem Klischee auch noch Werbung machen. Reicht es nicht, dass uns alle so sehen, muss man da jetzt auch noch drauf rumreiten. Dieser alte Grantler hat mich genervt und die Einstellung die er verbreitet, ich hätte mich endlos beschweren können.

Aber die Werbung ist mehrteilig (alle Spots gibt’s hier) und ich muss sagen von Spot zu Spot gefiel sie mir mehr (mein Lieblings-Spot ist übrigens der Viktualienmarkt). Wieso? Weil sie recht hat (meine Reaktion ist wohl der beste Beweis dafür). Sie zeigt auf selbstironische Weise was Auswertige an den Münchner Grantlern so stört und gleichzeitig zeigt sie auch was wir an uns und an München lieben. Nur weil wir ein Volk von Grantlern sind, die nach außen hin mürrisch und unzufrieden wirken, heißt das nicht, dass wir das Leben nicht genießen.

Im Gegenteil. Sehr passend beschreibt das der Auszug aus dem Duden Bairisch-Hochdeutsch:

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Das Gemecker ist also keineswegs Ausdruck von Hass und Abneigung allem und jedem Fremden und Neuen gegenüber, sondern ein von vielen Missverstandener Ausdruck der Münchner Gemütlichkeit und ich-mag-es-wie-es-ist-Mentalität.

Wer es noch immer nicht versteht, dem Empfehle ich zur Wiesnzeit München TV zu schauen (auch als Livestream unter muenchen.tv). Wo sich die Schiederin und der Onken gegenseitig, ihre Gäste, die Schausteller, Austeller, Wiesnwirte, einfach alle eben 16 Tage lang hänseln, necken, anzicken, anhimmeln und am Ende immer wahnsinnig gern haben – Kurz gesagt eben angrantln. Der wer den Kern des Grantlns verstehen will, der sollte sich nicht nur immer und immer wieder die Hofbräu-Werbungen ansehen, sondern vielleicht (ob Fan der Festzeltkultur oder nicht), meine Helden des Lokalfernsehens verinnerlichen.

Denn im Gegensatz zur Shitstorm-Gesellschafft im Internet, die sich viel zu oft mehr schlecht als recht „allgemeine Meinung“ schimpft, hat das Münchner Grantln mehr Charme und Kultur als man zunächst vermuten mag.

Abschließend möchte ich noch mal zur eingangs erwähnten Disco-Barkeeperin kommen… Ja, die will wirklich nur euer Geld, ist nicht zum Flirten aufgelegt und eine doofe Zicke vor dem Herrn. Tut mir leid, daran findet man auch als gemütlicher Grantler keinen Gefallen.