Das Wapiti-Erlebnis! Oder: Warum müssen alle Ubisoft-Spiele gleich sein?

Jeder kennt die Ubisoft-Formel inzwischen. Es wird ständig gemeckert, dass alle Spiele gleich sind, es keinen Fortschritt gibt und kaum noch Innovation zum Kauf verleitet. Maps werden recycelt und Spielmechaniken nur mit einem neuem Artdesign versehen. LANGWEILIG! Auch ich möchte heute in diese Kerbe bashen. Aber nicht aus rationaler, argumentativer oder objektiver Sicht. Sondern anhand eines ganz persönlichen Erlebnisses, das mich irgendwie traurig stimmt.

Dafür reisen wir ein paar Jahre zurück. Anno 2012: Assassin’s Creed III steht in den Regalen und ich bekomme meine 150€ teure Collectors-Edition pünktlich zum Release geliefert. Bis dahin größer Fan der Reihe mache ich mich an den, wie sich später für mich herausstellen wird, enttäuschendsten Teil den ich spielen werde. Es kommt mir vor wie ein fahler liebloser Abklatsch alter Mechaniken. Story und Charaktere reißen mich kaum mit und neue Gameplay-Elemente lassen mich entweder kalt, oder wirken überladen und nervig.

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Dennoch kann ich mich für einige Dinge in dem Spiel begeistern. Zum Beispiel die Jagd: Der herzzerreißende Schrei, den ein Bieber ausstößt, wenn man das knuddelig, pummelige kleine Tier ohne nennenswerten Jagdaufwand kaltblütig abmurkst, löst bei mir heute noch Herzschmerz aus. Der Moment indem ich mich auf der Jagd nach einem sagenumwobenen Monster in bisher unerkundete Gebiete gewagt habe, für die meine Bewaffnung noch nicht ausreichte. Ich von unzähligen Bären umzingelt wurde, die ich niemals hätte bezwingen können, voller Furcht in den Fluss sprang, um an der anderen Seite eines Sees in Sicherheit zu haschen. Nur um mich dort umzudrehen und zu sehen, dass die vermaledeite Bärenhorde immer noch hinter mir her ist.

Gut, aber ich schweife ab. Nachdem ich einige Hirschkühe gejagt hatte, hörte ich plötzlich ein ganz neues Röhren. Ein Geräusch, dass ich vorher noch nie gehört hatte, das aber nach einer einfachen und zugleich eindrucksvollen Jagdtrophäe klang. Ich war unterhalb eines Felsvorsprungs und konnte der Tier noch nicht ganz ausmachen, versuchte also den mysteriösen Klang zu orten. Plötzlich: Da war es! Ein riesiger Wapiti und er stürmte direkt auf mich zu. Waffe gezogen, der riesige Hirsch kam aus dem nichts. Er überraschte mich von Hinten, Quick-Time-Event versemmelt und TOT. Einfach so. In einem Gebiet ohne nennenswerte Raubtiere niedergestreckt von einem Pflanzenfresser. Das war mir eine Lehre und beim Warnröhren eines Wapitis habe ich zukünftig immer sorgsam die Augen aufgehalten und mich nie wieder von Hinten ohne Deckung überraschen lassen.

Nun haben wir 2016, vier Jahre nach Assassin’s Creed III. Ich lege Far Cry Primal in meine PlayStation 4 ein, bin eigentlich nach der ganzen Vorberichterstattung nicht mehr so richtig scharf drauf, aber das Setting reizt mich dann doch irgendwie. Ich hole noch ein paar Snacks und Getränke, während sich mein Freund durch die ersten Gebiete und das Tutorial kämpft. Wenig spannend bis jetzt, aber eins sticht mir doch ins Auge: Die Tierwelt. Ich bin begeistert vom ersten, inszenierten Mammutkampf und nur mit einer kläglichen Steinkeule bewaffnet, wirkt sogar so ein Wildhund irgendwie eindrucksvoll.

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Während ich es mir noch auf dem Sofa gemütlich mache, stapft besagter Kumpane durch die Wälder, schlachtet ein paar Ziegen und entdeckt in der Ferne einen riesigen Hirsch. Das Geweih, die Statur und Größe … Ich fühle mich umgehend an das Wapiti-Szenario von 2012 erinnert und rufe noch warnend: »Geh da lieber nicht zu nah ran, du hast noch keine ordentlichen Waffen und kaum Leben, das Ding macht dich sicher platt!« Mein Freund, der Assassin’s Creed III nicht gespielt hat, sieht sich allerdings Herr der Lage, pirscht nicht mal und wird prompt vom Urzeithirsch niedergemetzelt. Genau wie in meinem Wapiti-Erlebnis von vor vier Jahren. Und zwar exakt genauso.

Das mitanzusehen, hinterließ in meinem Mund den wirklich fahlen Nachgeschmack von »Genau das habe ich doch schon mal gespielt, ja es sah anders aus, aber es war genau dasselbe Erlebnis«. Das Erlebnis war beim ersten Mal toll. Eindrucksvoll. Spannend. Aber es ist Reproduzierbar? Damals war es überraschend. Heute ist es langweilig. Derselbe Witz ist selten zweimal lustig. Die selbe Pointe funktioniert einfach nicht immer und immer wieder. Warum sollte ich das Spiel denn weiterspielen, wenn mich nicht mal mehr das überraschen kann? Weniger noch, es sich wie ein Déjà-vu anfühlt? Meine ohnehin schmale Begeisterung für Far Cry Primal sank ab diesem Punkt weiter und mir war klar, etwas werde ich es noch spielen, bis zum Ende aber sicher nicht. Denn das war nicht das einzige Erlebnis, das mir vorkam wie Vorgekautes und Ausgespucktes aus vergangenen Ubisoft-Spielen.

Doch nicht nur in Bezug auf Far Cry hat mich das enttäuscht. Mir wurde mit dem Wapiti-Déjà-vu klar, dass das der Grund ist, warum ich nach Assassin’s Creed IV (das ich übrigens fantastisch fand) keinen Titel der Reihe mehr lange durchgehalten habe. Nachdem die Seefahrt wieder wegfiel, blieb die gleiche, stumpfe Mechanik die da immer war. Mit Neuerungen die es nicht rausreißen, mit Storys die das repetitive Gehampel nicht mehr tragen. Natürlich sind das alles immer noch gute Spiele. Aber ich habe einfach keine Lust mehr jedes Jahr das Gleiche zu spielen. Ein größerer zeitlicher Abstand oder mehr Innovationen (wie von Assassin’s Creed III zu IV) würden mich bei der Stange halten. Doch das war die letzten vier Jahre einfach nicht der Fall und so hat mich Ubisoft vom Fan und Dauerkonsumenten, der jeden beschissen überteuerten Preis für eine generische Assassinenfigur auf einem Schiffsrumpf zahlen würde, zum Casual-mal-Reinspieler verdonnert.

Ich wünschte das wäre anders. Ich wünschte die großen Ubisoft-Titel könnten wieder diese Begeisterung in mir wecken. Die Begeisterung eines Rayman 3, eines Assassin’s Creed. Die waren vielleicht keine Überragenden Spiele, aber sie haben meinen Spielegeschmack geprägt, meine Lust auf Spiele mit bestimmten Mechaniken und das Bedürfnis Stunden und Tage vor der Konsole zu hocken. Schade, Ubisoft, schade. Vielleicht sehen wir uns in Zukunft wieder, mit der Begeisterung von früher. Ich würde es mir wünschen. In der Zwischenzeit spiele ich eben deine kleinen, kurzen Titel die irgendwie mehr Charme ausstrahlen und nach mehr Innovation klingen. Die gibt es ja schließlich auch.