Mein Morgen im Vorhof der Hölle

Kalte Automaten zur Begrüßung der verlorenen Seelen, die auf ihre Abfertigung warten. Eiserne Bänke, deren bittere Kälte die Lebenskraft der Wartenden auszusaugen scheint. Stille Verzweiflung überlagert die Luft, dick wie Smog über einer Großstadt. Ein lachendes Kind in leuchtendem Grün sticht aus der tristen Menge hervor. Doch das schmutzige Weiß der Wände verschlingt, zusammen mit dem fahlen Grau des Bodens, den farbigen Lichtblick am Rande des endlos scheinenden Gewirrs aus Gängen, Zahlen, Buchstaben und Türen. Die Schwermut ergreift hier selbst das fröhlichste Gemüt nach wenigen Minuten und versucht mit ihrer allumfassenden Gegenwart das letzte Bisschen Lebenskraft zu erdrücken. Wieder Stille. Die plötzlich durchbrochen wird von einer in scheinbar fremden Zungen lautstark schimpfenden traurigen Gestalt, die wohl Geister anzufauchen versucht. Denn von den anwesenden Personen rührt ihr Ausbruch der Verzweiflung niemanden. Der Rest der Halle weilt weiter in düsterer Stille.

Ein weiterer Aufschrei der Hoffnungslosigkeit: Die eiserne Maschine die den Eingang der Neuankömmlinge reguliert, hat ihr nächstes Opfer gefunden. Blankes Entsetzen ergreift es. Scheinbar war es nicht stark genug und wurde von der drückenden Last der Tristesse in die Flucht geschlagen. Beharrlich, wie das Ticken einer Uhr, schwelt unter der Oberfläche jedes einzelnen der Drang Reißaus zu nehmen. Doch da, das Licht blinkt auf. Das Licht das die Wartenden von ihrer Qual erlösen soll. Das Licht, das den Nächsten – einen nach dem anderen – mit trügerischer Gewissheit aus dem scheinbaren Vorhof der Hölle zu erlösen verheißt. Das Licht, das immer nur einer Gestalt, ganz langsam den Durchgang durch das so anmutende Tor der Errettung gewährt. Das Licht, das einen aus der erstickenden Leere befreien soll. Mit einem Schimmer der Hoffnung im Auge tritt ein Weiterer durch ebendieses Tor. Dennoch ist nicht sicher, ob auf der anderen Seite die Freiheit, oder doch ein noch schlimmeres Monster darauf wartet, die kaum noch zu ertragende Pein zu verlängern.

– Mein Morgen im Wartebereich des Kreisverwaltungsreferats.

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