Die Unart alles zu einem Film im Trailer zu verraten (Annabelle – Der Trailer aus der Hölle)

(ACHTUNG! Dieser Text verrät vielleicht mehr als du wissen willst, wenn du den Horrorfilm Annabelle unvorbelastet sehen möchtest. Ich verrate allerdings nicht mehr als die Szenen des offiziellen englischen Originaltrailers. Ich setze diese lediglich in Relation zum Film nachdem ich ihn gesehen habe)

Vorweg sollte ich vielleicht sagen, dass ich Trailer zu Filmen und Spielen die ich mir ohnehin zu Gemüte führen möchte weitgehend meide. Bei Annabelle habe ich jedoch nicht viel erwartet und mir trotz meiner sonstigen Vorsätze den offiziellen englischen Trailer angesehen, nachdem ich bereits Kinokarten gekauft hatte. Und es war ein riesiger Fehler. Wir wissen ja alle, dass heutzutage gerade bei eher mittelmäßigen Filmen die Trailer meist die besten Szenen vorab zeigen, um die Vorfreude drauf zu steigern. Dadurch hat der eigentliche Film später nicht mehr so viel zu bieten. Bei Filmen die mit wenig Story vorwiegend durch viel Action begeistern wollen, ist das besonders schade.

Nun gut, damit habe ich mich inzwischen auch abgefunden. Was der Trailer von Annabelle allerdings macht, treibt das Ganze auf die Spitze. So unverschämt wurde ich von einem OFFIZIELLEN Trailer noch nie gespoilert. Angefangen mit der Story. Ja, wir wissen es ist die Vorgeschichte von der Puppe aus The Conjuring. Dass sie von einem Bösen Geist besessen ist, sich eigenständig bewegt und dann wohl Leute umlegt, verrät sowohl der Trailer als auch der erste Film. Nun gut. Darum hätte man ja noch was Spannendes bauen können. Etwa ein wer, wie oder warum. Das hat man auch. Nur leider verrät es der Trailer bereits. In der ersten Szene sehen wir wie die Nachbarn von einem Verrückten Mörder Pärchen umgelegt werden, in der nächsten Szene sehen wir wie es das Pärchen in das Haus der Protagonisten schafft und in die Dritte verrät, dass unsere Hauptdarsteller die Eindringlinge umlegen und etwas Blut in der hübschen Annabelle die Besessenheit verursacht. Dass die Gute Mia mit ihrem Mann nach dem traumatischen Ereignis dann umzieht sehen wir auch, da die Trailer-Szene in der sie Annabelle erstmals ins Regal stellt nicht das gleiche Regal wie am Anfang des Films zeigt. Mir zumindest ist es aufgefallen. Gut, der Szenenwechsel also auch versaut. Einen Story-Aspekt gibt es Tatsächlich den der Trailer nicht verrät, aber das ist auch alles worauf man sich nach dem zweieinhalb Minuten Filmchen noch freuen kann. Daher werde ich das jetzt nicht ansprechen.
Der besagte Trailer

Der Film generiert die eine Hälfte seiner Spannung durch stille Passagen in denen wir nicht wissen was in der Dunkelheit oder hinter der nächsten Tür lauert, die andere Hälfte durch Jumpscares. Die besten Ausschnitte dazu sehen wir allerdings bereits im Trailer. Etwa wie der Geist im Hintergrund schleicht und im nächsten Moment am Babybettchen steht. Gruselig und wenn wir das im Trailer sehen, wollen wir natürlich wissen was im Film wohl als nächstes passiert. Leider zeigt der Trailer aber bereits die ganze Szene. Danach passiert auch auf der großen Kinoleinwand nicht viel mehr als wir bereits wissen. Nächste gelungene Passage im Film wäre die, wo Mia ein kleines fremdes Mädchen in ihrem Haus entdeckt, dass sich rennend und schreiend in den erwachsenen Massenmördergeist verwandelt. Jaaa, schade dass auch hier der Trailer die VOLLE Szene zeigt.

Oh und dann der Hausbrand. Von Geisterhand entfacht das Popcorn auf dem Herd ein Feuer, Mia will nachsehen, fällt hin will wegkrabbeln, wird zurückgezogen. Wovon, was passiert dann? Wer oder was hat sie am Bein gepackt? Fragen die die Szene aus dem Trailer spannend wirken lassen. Leider ein Trugschluss. Auch im fertigen Film wird die Szene danach aufgelöst und die Spannung abgebrochen. Mal wieder zeigt der Trailer schon alles was relevant ist. Genauso wie wenn Mia sich mit der Nähmaschine sticht. Klar im Film baut sich durch hin und wegblenden, lauten Sound und gute Schnitte schon Spannung auf. Letztendlich wissen wir aber, dass sie sich sticht, die Frage ist nur wann – und das ist wirklich keine spannende Frage für einen Film.

Das alles ist schon wirklich schade. Auf die Spitze treibt es der Spoiler-Trailer dann aber mit der Truck-Kinderwagen-Szene. Im Film passiert das nämlich nicht einfach so, nein, sie wollen uns mit gruseligen Kinderzeichnungen die das Unglück prophezeien behutsam und Gänsehautbereitend an die drohende Gefahr heranführen und einen Nebenhandlungsfaden Drumherum aufbauen. SCHADE, dass wir dank des Trailers schon gesehen haben was passiert und der Ganze gruselige Kinderzeichnungen-im-Treppenhaus-Quatsch dadurch komplett unnötig wird. Ob das Baby überlebt oder nicht bleibt offen. Aber mein abgestumpfter Filmverstand hat mir gesagt, dass man in amerikanischen Filmen auf diese Weise niemals Babys tötet. Also selbst wenn es so zu Ende gehen sollte, war die ganze Spannung bis zu diesem Punkt vollkommen hin für mich. Ob der Film mich an diesem Punkt dann überrascht hat oder nicht, verrate ich hier allerdings nicht. Zum einen will ich ja nicht noch mehr spoilern als der Trailer, zum andern geht es mir hier nicht darum den Film zu bewerten.

All die Szenen im Trailer in denen man Annabelle unbewegt in der Nahaufnahme sieht und drauf wartet, dass sie sich bewegt, blinzelt oder den Kopf dreht, wirken vielversprechend, auch wenn sie es im Trailer nicht tut. Leider tut sie das auch im Film in ebendiesen Szenen nicht. Das hinterlässt den faden Beigeschmack von „genau DAS habe ich doch schon gesehen“.

Zum Schluss muss ich noch sagen ja, es gibt einen kleinen Part in der Handlung bezüglich des angesprochenen Dämons, zu dem Trailer noch nichts verrät. Sowie ein paar Actionszenen unter anderem mit dem Priester. Das war dann auch das einzige was mir an dem Film nicht vorab verdorben wurde.

Ich will noch mal anmerken, dass das keine Kritik zu Annabelle ist. Ich weiß die Meinungen dazu sind sehr gespalten. Ich hab schon deutlich schlechtere Horrorfilme gesehen. Und auch wenn ich ihn selbst nicht abgrundtief schlecht fand, hätte ich ihn mehr genießen können, wenn dieser Trailer aus der Hölle nicht schon die komplette Story, die besten Jumpscares und spannendsten Szenen in voller Länge verraten hätte.

Ich finde es einfach nur schade, dass man inzwischen beinahe alles von einem Film zeigen muss, um die Leute noch ins Kino zu locken. Ob es an den abgestumpften Kinogängern oder an Filmemachern die auf Nummer sicher gehen wollen liegt, weiß ich nicht. Mir verdirbt es jedoch den Spaß an Filmen. Einem meiner liebsten Hobbys.